
Verantwortung
Ich trage die volle Verantwortung für meine eigenen Gefühle, meine persönlichen Grenzen und meine individuellen Werte. Es ist entscheidend, dass ich diese Aspekte klar und deutlich benenne, indem ich präzise ausdrücke, was ich empfinde, wo meine Toleranzgrenzen liegen und welche Prinzipien mir wichtig sind. Ich darf meine Gefühle, Grenzen und Werte auch aktiv verteidigen,
solange ich dabei die Gefühle, Grenzen und Werte des anderen nicht verletze. Das bedeutet konkret, dass ich äußere, was ich benötige, ohne dabei die Bedürfnisse meines Gegenübers aus den Augen zu verlieren. Eine solche Herangehensweise fördert gegenseitigen Respekt und ein gesundes Miteinander.
Ich trage Verantwortung
für meine Gefühle, Grenzen und Werte.
Wie setze ich diese Verantwortung in meinen Beziehungen um? In der Beziehung zwischen einem Kind und den Bezugspersonen, wie Erzieherinnen und Erziehern oder Eltern, teilen sich beide Seiten die volle, also 100%ige Verantwortung. Je nach Alter des Kita-Kindes übernimmt es etwa 5 bis 10 Prozent dieser Verantwortung. Das Kind lernt in diesem Prozess, erste eigene Entscheidungen zu treffen und die Konsequenzen seines Handelns zu erkennen.
Den weitaus größeren Anteil, also den Rest der Verantwortung, tragen die Erwachsenen. Das bedeutet, ich als Erwachsener habe einen erheblichen Einfluss und somit eine große Verantwortung dafür, wie gut die Beziehung zwischen dem Kind und mir gelingt. Dazu gehört auch, eine sichere und förderliche Umgebung zu schaffen. Eine sichere Umgebung bietet dem Kind Schutz und Geborgenheit, während eine förderliche Umgebung Anreize für seine Entwicklung schafft.
Auch in Beziehungen zwischen zwei Erwachsenen existiert eine Gesamtverantwortung von 100 Prozent, wovon ich in diesem Fall 50 Prozent trage. Das bedeutet, jede Person ist für die Hälfte dessen zuständig, was in der Beziehung passiert.
Wenn ich etwas in der Beziehung ändern will, kann ich ausschließlich an meinen eigenen 50 Prozent arbeiten. Es ist nicht realistisch zu erwarten, dass der andere sich ändert, nur weil ich das wünsche. Jede Person ist für ihr eigenes Handeln und ihre eigenen Reaktionen verantwortlich. Das Konzept der Eigenverantwortung betont, dass jeder Mensch die Fähigkeit und Pflicht hat, für sein eigenes Verhalten und seine Entscheidungen einzustehen.
Ein konkretes Beispiel dafür, wie man Verantwortung übernimmt:
Eine Erzieherin und ein Erzieher arbeiten zusammen in einer Gruppe und pflegen ein gutes, professionelles Verhältnis, auch wenn sie sich privat nicht kennen. Wenn der Erzieher gestresst oder angestrengt ist, liegt es in seiner Verantwortung, seiner Kollegin kurz und prägnant mitzuteilen: „Heute ist nicht mein Tag.“ Durch diese offene Kommunikation vermeidet er, dass die Kollegin die veränderte Stimmung des Kollegen auf sich bezieht oder sich dafür verantwortlich fühlt. Eine solche klärende Botschaft verhindert Missverständnisse und fördert einen respektvollen Umgang miteinander.




